Bestände A - Z

Nachlässe und Sammlungen

Die Bestände des Sozialwissenschaftlichen Archivs Konstanz umfassen die Nachlässe und Sammlungen zahlreicher Autoren und Autorinnen sowie die Digitale Dokumentation zur Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS).

Die einzelnen Archivbestände finden Sie auf der linken Seite

Max Ascoli (25. Juni 1898 - 1. Januar 1978)

Geboren in Ferarra. Studium der Rechtswissenschaft in Ferarra und der Philosophie in Rom. Dort Promotion sowohl in Jura als auch in der Philosophie. 1926-1931 Professuren für Rechtsphilosophie an verschiedenen italienischen Universitäten. Nach der Emigration Anfang Oktober 1931 in die USA lebt er in New York und ist seit 1933 Professor für politische Philosophie an der New School for Social Research. Ascoli arbeitete vor allem auf den Gebieten der Rechtsphilosophie, der politischen Philosophie und der Dogmengeschichte politischer Theorien. Er starb 1978 in New York. Im Archiv befindet sich eine Auswahl seiner wissenschaftlichen Korrespondenz aus der Zeit zwischen 1934-1948 vorwiegend mit Mitgliedern der Graduate Faculty der New School for Social Research in New York. Die Briefe liegen als Photokopien vor. Ein Verzeichnis ist vorhanden.


Hans Paul Bahrdt (3. Dezember 1918 - 16. Juni 1994)

Geboren in Dresden. Nach 1945 Studium der Philosophie und Soziologie in Heidelberg und Göttingen. 1952 Dissertation über Herder bei Helmuth Plessner. Von 1952 bis 1955 ist er als Forschungsassistent an der Sozialforschungsstelle Dortmund tätig. Anschließend freier wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der BASF bis 1958. Im selben Jahr habilitiert er sich an der Universität Mainz. Von 1959-1962 außerordentlicher Professor an der TU Hannover. 1962 Berufung auf den Helmuth Plessner-Lehrstuhl in Göttingen, den er bis zur Emeritierung 1982 innehat.
Die Forschungsschwerpunkte von Bahrdt erstrecken sich auf die Bereiche Industrie- und Techniksoziologie („Das Gesellschaftsbild des Arbeiters“, 1957, „Technik und Industriearbeit“, 1964 (beide zusammen mit Heinrich Popitz und Ernst-August Jüres, Hanno Kesting), „Zwischen Drehbank und Computer. Industriearbeit im Wandel der Technik“, 1970 (zusammen mit Horst Kern und Martin Osterland)), Stadt- und Regionalsoziologie („Die moderne Großstadt. Soziologische Überlegungen zum Städtebau“, 1961, „Humaner Städtebau. Überlegungen zur Wohnungspolitik und Stadtplanung für eine nahe Zukunft“, 1968), Wissenschaftssoziologie („Wissenschaftssoziologie – ad hoc“, 1971) und phänomenologisch orientierte Soziologie („Grundformen sozialer Situationen. Eine kleine Grammatik des Alltagslebens“, 1996; „Himmlische Planungsfehler. Essays zu Kultur und Gesellschaft“, 1999).
Das Sozialwissenschaftliche Archiv ist im Besitz des vollständigen Nachlasses im Original. Nachlass Hans Paul Bahrdt


Horst Baier (26.03.1933 – 02.12.2007)

Horst Baier, geboren in Brünn/Mähren, studierte 1952-59 Medizin, Philosophie und Sozialwissenschaften in Erlangen, Berlin und München. Nach seiner Mitarbeit an der Sozialforschungsstelle Dortmund und einem Lehrauftrag für Soziologie an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät in Münster habilitierte er 1969 bei Helmut Schelsky zum Thema „Von der Erkenntnistheorie zur Wirklichkeitswissenschaft. Eine Studie zur Begründung der Soziologie bei Max Weber“. 1969/70 wurde er zum ordentlichen Professor für Soziologie und Sozialpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe, Abteilung Münster berufen. Im Wintersemester 1969/70 vertrat er den Lehrstuhl des verstorbenen Theodor W. Adorno, auf den er 1970 als ordentlicher Professor für Soziologie und Philosophie berufen wurde. 1975 folgte er dem Ruf der Universität Konstanz an den Lehrstuhl mit Schwerpunkten Sozialpolitik, Organisations- und Verwaltungssoziologie, den er bis 1998 innehatte. Er war Mitherausgeber der Max Weber-Gesamtausgabe, Redakteur der Zeitschrift „Soziale Welt“ und Mitbegründer der „Zeitschrift für Soziologie“ sowie Mitherausgeber der sozialmedizinischen Zeitschrift „Medizin, Mensch, Gesellschaft“. Im Archiv befindet sich der wissenschaftliche Teilnachlass.

Bálint Balla (07. Juli 1928 – 25. Juni 2018)

Bálint Balla wurde als Bálint Keil in Budapest geboren (Magyarisierung des Nachnamens in Balla 1955). Er war der Sohn eines Rechtsanwalts und einer bildenden Künstlerin. Von 1946 bis 1949 studierte er Staats- und Rechtswissenschaften an der Budapester Peter Pármány Universität (heute ELTE), wo er 1951 auch promovierte. Schon 1949 nahm er eine Arbeit bei der Elektronik-Handelsfirma Ravill in Budapest auf, Anstellungen in weiteren ungarischen Großbetrieben folgten, vornehmlich im Bereich Außenhandel. Während der Revolution 1956 übte Balla verschiedene politische Tätigkeiten aus, u.a. als Sekretär eines betrieblichen Arbeiterrates. 1962 erfolgten erste industriesoziologische Studien im Rahmen seiner Tätigkeit für das staatliche Elektronikunternehmen Egyesült Izzó (Tungsram). Mit einem zweijährigen Touristenvisum kam er 1965 in die Bundesrepublik Deutschland, um hier Soziologie zu studieren. Er absolvierte das Studium bis 1967 an der Universität Münster und arbeitete zugleich an der Sozialforschungsstelle Dortmund bei Prof. Dr. Helmut Schelsky. Nachdem sein Visum nicht verlängert worden war, beantragte er 1967 die deutsche Staatsbürgerschaft und wurde eingebürgert. Im selben Jahr wurde auch seine ungarische Promotion anerkannt. Bereits 1968 konnte Balla eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Oberassistent am soziologischen Institut der Technischen Universität Berlin aufnehmen. 1969 war er in Bern Mitbegründer der Evangelischen Akademie für Ungarn in Europa. Nach seiner Habilitation über die „Kaderverwaltung“ 1971 übernahm er noch im selben Jahr die Professor für Allgemeine Soziologie am Institut für Soziologie der TU Berlin. Von 1972 bis 1974 fungierte er zudem als Präsident der Evangelischen Akademie für Ungarn in Europa, danach als deren langjähriger Vizepräsident und Lektor der Schriftenreihe. 1990 war er Mitbegründer und Vorsitzender (bis 1999) der Sektion Ost- und Ostmitteleuropa (heute Europasoziologie) der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, danach ihr Ehrenvorsitzender. 1991 wurde ihm in Budapest die Imre-Nagy-Plakette verliehen. Nach seiner Emeritierung 1993 bot er noch bis 1998 Lehrveranstaltungen und Prüfungsleistungen an der TU Berlin an, außerdem hielt er in den 1990er und 2000er Jahren Gastvorlesungen an der Humboldt-Universität Berlin, der Universität Leipzig und der Universität Klausenburg (Rumänien). 2002 empfing er die Ehrendoktorwürde der Juristischen Fakultät der ELTE für Länder übergreifendes wissenschaftliches und humanistisches Engagement. Auch im hohen Alter setzte Balla seine publizistische Tätigkeit fort; bis 2018 war er Gastgeber eines soziologischen Mittwochskreises in Berlin.

Balla hat ca. 50 Bücher (mit) herausgegeben (darunter u.a. die Schriftenreihe Beiträge zur Osteuropaforschung), zahlreiche Aufsätze verfasst und war überdies als Übersetzer tätig. Er publizierte vor allem auf Deutsch und Ungarisch. Unter seinen Veröffentlichungen seien hervorgehoben: Kaderverwaltung. Versuch zur Idealtypisierung der „Bürokratie“ sowjetisch-volksdemokratischen Typs (1972); Soziologie der Knappheit. Zum Verständnis individueller und gesellschaftlicher Mängelzustände (1978); Knappheit als Ursprung sozialen Handelns (mit einem Vorwort von Lars Clausen) (2005). Seine Arbeitsschwerpunkte lagen in den Bereichen „Osteuropa“, „Kultur“ und „Knappheit“. Dank seiner ungarisch-deutschen Sozialisation als Intellektueller sowie durch seine geistigen Bewegungen zwischen Wissenschaft, politischer Zeitgenossenschaft und Religion hat er eine ganz eigene Klangfarbe in die zweite Generation der bundesrepublikanischen Soziologie eingebracht. Er hatte einen wesentlichen Anteil an der Institutionalisierung der Osteuropasoziologie und wirkte ebenso an der Renaissance der deutschen Kultursoziologie mit. Das Archiv bewahrt seinen wissenschaftlichen Teilnachlass.


Peter L. Berger (17.03.1929 - 27.06.2017)

Peter L. Berger wurde 1929 in Wien geboren und lebte seit 1946 in den USA. Dort studierte er Soziologie und Philosophie am Wagner College und absolvierte sein Masterstudium (1950) an der New School for Social Research in New York, wo er u. a. Kurse bei Alfred Schütz besuchte und 1952 den Doktortitel erwarb. Nach zweijährigem Aufenthalt in Deutschland lehrte und forschte Berger von 1956 bis 1958 als Assistenzprofessor an der University of North Carolina und anschließend von 1958 bis 1963 als Associate Professor am Hartford Theological Seminary. Es folgten Professuren von 1963 bis 1971 an der New School, von 1971 und 1979 an der Rutgers University und ab 1979 am Boston College. 1981 wurde Berger Professor an der Boston University und 1985 Direktor des Institute for the Study of Economic Culture, welches er 2003 zum Institute on Culture, Religion and World Affairs reformierte. Von 1966 bis 1967 war er Präsident der Society for the Scientific Study of Religion. Er starb 2017 in Brookline, Massachusetts.

Insbesondere aufgrund des zusammen mit Thomas Luckmann verfassten Werks The Social Construction of Reality. A Treatise in the Sociology of Knowledge (1966) ist Peter L. Berger zu den bedeutendsten Exponenten der phänomenologischen Schule innerhalb der Soziologie zu zählen. In diesem Buch erarbeiten die beiden Autoren eine phänomenologisch fundierte Wissenssoziologie, welche die Grundlage bietet für die wissenschaftliche Analyse sowohl des sozialen Alltags als auch sonstiger Wirklichkeitsbereiche. Thematisch beschäftigte sich Berger schwerpunktmäßig mit Modernität und Pluralisierung, Religion und De-Säkularisierung und Kultur und sozioökonomischem Wandel. Das Sozialwissenschaftliche Archiv ist seit 2019 im Besitz des Originalnachlasses von Peter L. Berger.


 

Digitale Dokumentation zur Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)

Dieser Bestand umfasst einen Großteil der Akten der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS). Die Unterlagen liegen in Form von Digitalisaten vor. Die Vorlagen befinden sich vor allem im Bundesarchiv Koblenz (Bestand B 320, Deutsche Gesellschaft für Soziologie). Ein kleinerer Teil befindet sich in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek Kiel (SHLB), Bestand Cb 54 (Nachlass Ferdinand Tönnies). Es handelt sich ganz überwiegend um Unterlagen, die bei den jeweiligen Vorsitzenden, Schriftführern, Sekretariaten und Geschäftsstellen der DGS entstanden sind. Die Laufzeit des Bestandes beginnt um 1909.
Schwerpunkte sind Akten (v.a. Korrespondenzen und Protokolle) von DGS-Gremien und -Stellen (Vorstand, Konzil, Sektionen, Ausschüsse, Mitgliederversammlungen, Schatzmeister), Mitgliederakten, Unterlagen zu den Deutschen Soziologentagen (1910-1992, seit 1995 Kongresse der DGS) und anderen Tagungen und Zusammenkünften. Inhaltliche Besonderheiten sind u.a. Unterlagen zu diversen Eingaben und Stellungnahmen, zur Teilnahme an internationalen Kongressen, zur Zusammenarbeit mit anderen, auch internationalen Organisationen, zu Initiativen zur Verbesserung der Stellung der Soziologie (etwa 1909-1939), zur Gestaltung des Unterrichts in den Sozialwissenschaften (1940er/1950er), zur Umfrage der DGS zur Situation des Faches Soziologie an Hochschulen (1971), zur DGS-Enquête über Stand und Probleme soziologischer Forschung (1974-1975) und zum Mitteilungsblatt der DGS (»Soziologie«, 1972 ff.).

Link Digitales Archiv der DGS

Hans Heinrich Gerth (24. April 1908 - 29. Dezember 1978)

Geboren in Kassel. Studium in Heidelberg bei Karl Jaspers, Emil Lederer, Alfred Weber und vor allem Karl Mannheim; in London und in Frankfurt/M. bei Paul Tillich und Adolph Löwe. Nach der Promotion 1933 Assistent an der Universität Kiel. Von 1934-35 als Journalist beim Berliner Tagblatt tätig, 1936-1937 Berliner Korrespondent der Chicago Daily News und freier Mitarbeiter beim Berliner Tagblatt und der Frankfurter Zeitung. 1938 emigrierte er über England in die USA. Dort lehrte er bis 1940 an der Univerisity of Illinois, anschließend an der University of Wisconsin Soziologie. Er widmete sich besonders der Übersetzung der Werke Max Webers und arbeitete mit C. Wright Mills zusammen. Daneben zahlreiche Gastprofessuren an mehreren amerikanischen Universitäten sowie in Frankfurt/M. und Tokio. 1971 Rückkehr nach Deutschland und bis 1975 Professor für Soziologie in Frankfurt/M.Die Materialsammlung im Archiv besteht aus Kopien, deren Originale im Besitz von Frau Gerth sind. Sie enthält Mitschriften und Arbeiten aus Gerths Studienzeit, unter anderem aus Mannheims »Liberalismus-Seminar«. Auch eine Sammlung von Gerths Zeitungsaufsätzen ist vorhanden. Die Ordnung der Materialien wurde mit Forschungsmitteln der Universität Konstanz unterstützt. Ein Index liegt vor. Mappenverzeichnis Hans Heinrich Gerth

Grathoff, Richard (30.08.1934 – 10.11.2013)

Richard Grathoff, geboren in Unna, erwarb seinen ersten Studienabschluss in Mathematik in Heidelberg und Göttingen. Nach seinem Studium bei Aron Gurwitsch, Thomas Luckmann und Peter L. Berger promovierte er 1969 an der New School for Social Research in New York. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland erhielt er von 1978-1999 eine Professur für Allgemeine Soziologie an der Universität Bielefeld mit Forschungsschwerpunkt Phänomenologie. 1989 veröffentlichte er „Milieu und Lebenswelt“ und „The Structure of Social Inconsistencies“. Von 1991-1994 war er Mitglied des „Executive Committee“ der „International Sociological Association“ und Herausgeber von International Sociology. Er war maßgeblich an der Gründung des Sozialwissenschaftlichen Archivs Konstanz beteiligt und einer der Initiatoren der Alfred Schütz Werkausgabe. Der vollständige Originalnachlass ist vorhanden.


Aron Gurwitsch (17. Januar 1901 - 25. Juni 1973)

Geboren in Wilna. Studierte Psychologie, Philosophie, Mathematik und Physik in Berlin, Frankfurt/M. und Göttingen. 1928 promovierte er in Göttingen über die »Phänomenologie der Thematik«, eine Untersuchung zur Wahrnehmungstheorie und ihrer Entfaltung in der Gestalttheorie und Phänomenologie. Die Habilitation mit der erst 1976 veröffentlichten Studie »Die mitmenschlichen Begegnungen in der Milieuwelt« scheiterte vermutlich aus politischen Gründen. 1929-1933 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Preußischen Wissenschaftsministerium. 1933 Emigration nach Paris, wo er an der Sorbonne Philosophie lehrt. 1940 Emigration in die USA. Dort lehrt er Philosophie, Physik und Mathematik u.a. an der John Hopkins University, der Harvard University und ab 1948 an der Brandeis University. 1959 Ruf an die New School for Social Research als Nachfolger von Alfred Schütz. Daneben leitete er das Husserl-Archiv und hielt sich als Gastprofessor u.a. in Puerto Rico und Mainz auf. Gurwitschs Werk war der Weiterentwicklung der phänomenologischen Konstitutionsanalyse gewidmet und übt wesentlichen Einfluß insbesondere auf die phänomenologische Wissenschaftstheorie aus. Im Archiv befinden sich Kopien seiner gesamten wissenschaftlichen Korrespondenz mit Alfred Schütz. Ein kommentiertes Verzeichnis dieses Briefwechsels liegt vor. Die Korrespondenz beginnt im Pariser Exil 1938, wird in den USA fortgesetzt und endet mit dem Tode von Schütz im Jahre 1959. Sie enthält ausführliche Auseinandersetzungen zum gesamten Problembereich »Phänomenologie und Sozialwissenschaft«. Ihr größter Teil wurde von Richard Grathoff (1985) herausgegeben. Im Nachlaß befinden sich zudem Exzerpte, Manuskripte und Typoskripte aus der gesamten wissenschaftlichen Laufbahn von Aron Gurwitsch. Ein Verzeichnis der Nachlaßkopien liegt vor. Nachlass Aron Gurwitsch


Paul Honigsheim (28. März 1885 - 22. Januar 1963)

Geboren in Düsseldorf. Studierte Geschichte, Jura, Politikwissenschaft und Philosophie in Bonn, Berlin und zuletzt in Heidelberg, wo er 1914, von Max Weber stark beeinflußt, zum Dr. phil. promovierte. Während des Krieges Übersetzer in deutschen Gefangenenlagern. Seit 1919 tätig am Institut für Soziologie der Universität Köln. Nach der Habilitation 1920 dort auch erste Professur. Zugleich war Honigsheim Direktor der Kölner Volkshochschule. 1933 Emigration nach Frankreich. 1936-1938 lehrte er als Professor für Philosophie, Soziologie und Ethnologie an der Universität von Panama. 1938 Übersiedlung in die USA, wo er bis 1950 als Professor für Soziologie und Anthropologie an der Michigan State University tätig war. Zu seinen Forschungsgebieten gehörten vor allem Erziehungssoziologie, Kultursoziologie und Anthropologie sowie Studien zur Geistes- und Soziologiegeschichte. Im Archiv befinden sich hektographierte Manuskripte etlicher Vorlesungsskripte aus der Zeit seiner Tätigkeit in Michigan sowie Vorträge, die er nach dem Kriege für den RIAS-Sender verfaßt hat. Ein Verzeichnis liegt vor. Paul Honigsheim


Felix Kaufmann (4. Juli 1895 - 23. Dezember 1949)

Geboren in Wien, wo er auch Philosophie, Rechts- und Staatswissenschaft studierte. In seiner Wiener Zeit stand er in Verbindung mit dem Wiener Kreis, suchte aber vor allem eine Verbindung zur Phänomenologie Husserls. Mit Alfred Schütz war er bereits in Wien eng verbunden. Das weite Spektrum seiner Arbeiten schließt Werke über Rechtsphilosophie, Mathematik und Logik ebenso ein wie Untersuchungen zur Methodologie der Sozialwissenschaft. 1920 promovierte Kaufmann zum Dr. jur., 1926 zum Dr. phil. und wurde 1927 Privatdozent an der Wiener Universität. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Manager der österreichischen Filiale einer internationalen Ölfirma. Nach dem »Anschluß« Österreichs 1938 emigrierte er über Paris und London in die USA, wo er eine Stelle an der New School for Social Research in New York annahm. Im Archiv liegt Kaufmanns gesamter wissenschaftlicher Nachlaß einschließlich der Korrespondenz auf Mikrofilm vor. Die Originale wurden 2022 vom Center for Advanced Research in Phenomenology der Memphis University, USA übernommen. Ein Nachlaßindex ist vorhanden. Die Ordnung und Katalogisierung des Nachlasses konnte dank der Förderung der Fritz-Thyssen-Stiftung erfolgen.

Index and Classification of the Papers of Felix Kaufmann

Finding List for the Papers of Felix Kaufmann, Volume 1

Finding List for the Papers of Felix Kaufmann, Volume 2

Finding List for the Papers of Felix Kaufmann, Volume 3

Finding List for the Papers of Felix Kaufmann, Volume 4


Paul Felix Lazarsfeld (13. Februar 1901 - 30. August 1976)

Geboren in Wien, wo er auch Mathematik und Physik, später Psychologie studierte. Neben seiner politischen Tätigkeit in verschiedenen sozialistischen Organisationen wandte er sich bald dem Problem der Gewinnung und Verarbeitung empirischer sozialwissenschaftlicher Daten zu, ein Untersuchungsfeld, auf dem er bahnbrechende Arbeit leistete. Ende der 20er Jahre gründete er in Wien mit der »Wirtschaftspsychologischen Forschungsstelle« das erste Institut für empirische Sozialforschung, das durch kommerziell orientierte Forschung Mittel zur Durchführung wissenschaftlicher Projekte gewann. 1932 veröffentlichte er zusammen mit Marie Jahoda und Hans Zeisel die klassische Studie über »Die Arbeitslosen von Marienthal«. Nach einem von der Rockefeller Foundation geförderten Forschungsaufenthalt in den USA 1933-1935 entschloß er sich, nach dem Anschluß Österreichs im März 1938, dort zu bleiben. Nach mehreren Zwischenstationen wurde er 1937 Direktor des »Office of Radio Research« an der Princetion University, das von 1939 an unter dem Namen »Bureau of Applied Social Research« an der Columbia University in New York firmierte und bis 1949 unter seiner Leitung weitergeführt wurde. 1941-1971 Lehr- und Leitungstätigkeit an der Columbia University, daneben Gastprofessur an der Sorbonne in Paris. Nach seiner Emeritierung 1971 lehrte er bis 1976 als Professor für Soziologie an der University of Pittsburg, Pennsylvania. Lazarsfeld beschäftigte sich mit allgemeinen Problemen der angewandten Sozialforschung, besonders mit der Wirkung von Massenmedien und der empirischen Wahlforschung. Das Archiv verfügt über Teile seines wissenschaftlichen Nachlasses sowie über Teile seiner Korrespondenz auf Mikrofilm. Die Originale sind im Besitz der Columbia University, New York. Ein Index liegt vor. Die Beschaffung der Kopien wurde von der Fritz-Thyssen-Stiftung gefördert.


Adolph Lowe (4. März 1893 - 3. Mai 1995)

Geboren in Stuttgart. Sein Studium in München, Berlin und Tübingen schloß er 1918 mit einer juristischen Promotion ab. Zwischen 1918 und 1926 war Lowe als hoher Regierungsbeamter in verschiedenen Reichsministerien tätig und wurde u.a. mit der Entwicklung von Plänen für die Wiedereingliederung des demobilisierten Heeres beauftragt. 1926-1930 Professor für Ökonomie und Soziologie in Kiel, wo er gleichzeitig am Institut für Weltwirtschaft die Abteilung für Konjunkturforschung begründete. Von 1931 bis 1933 Ordinarius für politische Ökonomie an der Universität Frankfurt/M. beschäftigt, dort Zusammenarbeit mit Karl Mannheim, Paul Tillich und dem Institut für Sozialforschung. 1933 Emigration über die Schweiz nach England, wo er an der University of Manchester lehrte. 1940 Übersiedlung in die USA, in New York seit 1941 Professor für Ökonomie an der New School for Social Research. Daneben 1943-1951 Direktor des Institute of World Affairs und seit 1953 Gastprofessor an der Hebräischen Universität in Jerusalem. 1983 kehrte er nach Deutschland zurück. Sein politisches Engagement als Sozialdemokrat spiegelte sich auch in seiner ökonomischen Theorie, in der er bewußt von sozialpolitischen Zielvorgaben ausging. In »The Price of Liberty« thematisierte er die Balance von Selbstbestimmung und sozialer Ordnung als Voraussetzung eines freiheitlichen politischen Systems. Im Archiv wird eine Kollektion der Kopien seiner wissenschaftlichen Korrespondenz aufbewahrt, die zwischen 1947 und 1961 geführt wurde, vorwiegend jedoch aus der Zeit seiner Tätigkeit als Direktor des Institute of World Affairs stammt. Ein Verzeichnis der Briefe liegt vor. Verzeichnis Briefe Adolph Lowe


Benita Luckmann (22. Dezember 1925 - 3. Dezember 1987)

Geboren und aufgewachsen in Riga. In der lettischen Hauptstadt lebte sie die letzten Jahre unter den schweren Umständen zunächst der sowjetischen, dann der deutschen Okkupation. Im Winter 1944 Flucht und Arbeit als Krankenschwester in Kriegs-Lazaretten in Wien und Salzburg. Nach Kriegsende Beginn des Studiums an der theologischen Fakultät Salzburg, später an der philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck; zugleich beteiligte sie sich an der Flüchtlingsarbeit der World's YM/YWCA. Kurz vor der Auswanderung in die Vereinigten Staaten heiratet sie 1950 Thomas Luckmann. Bis 1956 Studium an der Graduate Faculty of Political and Social Science der New School for Social Research. Anschließend bis 1961 Lehrtätigkeit am Hobart College in Geneva, N.Y. Mit Hilfe des DAAD studierte sie ein Jahr an der Universität Freiburg/Br.(besonders bei Arnold Bergsträsser und Eugen Fink) und promovierte dort 1962 mit einer Arbeit über Rußland als Entwicklungsland. Danach Lehrtätigkeit an der Rutgers University in New Brunswick (N.J.) und gelegentlich an der Universität Freiburg. 1965 übersiedelte sie mit ihrem Mann, der einen Ruf an die Universität Frankfurt/M. erhielt, nach Deutschland, 1971 - nach dessen Berufung nach Konstanz - in die Schweiz. Sie befaßte sich theoretisch mit dem Problem »kleiner Lebenswelten« und zunehmend auch mit der Exilforschung, insbesondere mit der University in Exile, der späteren Graduate Faculty der New School in New York. Im Rahmen dieser Arbeiten führten sie mehrere Forschungsaufenthalte in den USA, jedoch kam es nicht mehr zur zusammenfassenden Veröffentlichung dieser Arbeiten. 1987 erlag sie einer schweren Krankheit. Im Archiv befindet sich der Großteil der Materialien, die Benita Luckmann im Zuge dieser Studien zusammentrug. Ein Verzeichnis liegt vor. Verzeichnis Benita Luckmann.PDF


Thomas Luckmann (14. Oktober 1927 - 10. Mai 2016)

Thomas Luckmann wurde am 14.10.1927 in Jesenice (im heutigen Slowenien) – geboren. Er studierte Philosophie, Germanistik, romanistische Sprachwissenschaft und Literatur, vergleichende Linguistik und Psychologie an den Universitäten Wien und Innsbruck sowie an der »New School for Social Research« in New York. Unter seinen Lehrern waren Carl Meyer, Albert Salomon und Alfred Schütz. 1955 erlangte er den Magistergrad in Philosophie und im selben Jahr wurde er Dozent an der »Graduate Faculty« der »New School«. Bereits 1956 wurde ihm der Doktortitel in Soziologie verliehen und er erhielt eine Anstellung an der »Abteilung für Anthropologie und Soziologie« am New Yorker Hobart College. 1960-1965 war er zunächst »Assistant« und später »Associate Professor« an der soziologischen Fakultät der »New School« und er kehrte 1965 nach Europa zurück, um eine Professur für Soziologie an der Universität Frankfurt anzunehmen, von wo aus er fünf Jahre später einem Ruf an die Universität Konstanz folgte, an der er von 1970 bis zu seiner Emeritierung (1994) als Professor für Soziologie tätig war. Seine bedeutendsten Veröffentlichungen sind »Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit« (1966; mit Peter L. Berger), »Die unsichtbare Religion« (1967), »Strukturen der Lebenswelt« (1973; basierend auf Notizbüchern von Alfred Schütz).
Als Soziologe stellte sich Luckmann in die Tradition von Max Webers Verstehender Soziologie. Zudem war Luckmanns sozialtheoretischer Ansatz stark von der Sozialphänomenologie Alfred Schütz′ beeinflusst. In einem Interview bezeichnete er Alexandre de Tocqueville und Wilhelm von Humboldt als seine wissenschaftlichen Vorbilder.
Bekannt wurde Luckmann vor allem für seine Neuformulierung der klassischen, auf Max Scheler und Karl Mannheim zurückgehenden Wissenssoziologie. Indem er deren philosophische Ausrichtung zurückstellte, entwickelte er ihre Ideen weiter und machte sie für die empirische Forschung fruchtbar, wodurch er (zusammen mit Peter L. Berger) zum Gründer einer modernen, hermeneutischen Wissenssoziologie wurde. In Fortführung zentraler Aspekte der Theorie seines Lehrers Alfred Schütz prägte Luckmann den Ausdruck »Protosoziologie« – eine phänomenologisch orientierte »Grundlagendisziplin« der Sozialwissenschaften, die versucht, universale Strukturen der menschlichen Weltorientierung herauszuarbeiten. Außerdem veröffentlichte Luckmann bedeutende Beiträge besonders zur Religionssoziologie, zur Soziologie der Moral und der Zeit sowie zur Frage der Identität.

Auswahlbibliographie Rezeption Luckmann


Karl Mannheim (27. März 1893 - 9. Januar 1947)

Mannheim, einer der Pioniere der Wissenssoziologie, wurde in Budapest geboren. Er studierte in Budapest, Berlin, Paris, Freiburg und Heidelberg. Von allen seinen Studienorten war Heidelberg derjenige, der ihn wohl am meisten prägte. Dort wandte er sich den Werken Max Webers zu. Auch die im Heidelberger Milieu stark einwirkenden Ideen von Rickert, Lask und Lukács, aber auch von Husserl, Scheler und Marx wurden für sein theoretisches Denken wegweisend. Nach der Promotion in Budapest (1918) habilitierte er sich 1926 in Heidelberg, wo er für vier Jahre als Privatdozent angestellt war. Dann wurde er als Nachfolger von Franz Oppenheimer nach Frankfurt/M. als Ordinarius für Soziologie berufen. Nach der Entlassung aufgrund des nationalsozialistischen Beamtengesetzes 1933 kurze Lehrtätigkeit an der Universität Leiden/Niederlande. Noch im selben Jahr Emigration nach England, wo er zuerst an der London School of Economics and Political Science lehrte. Ab 1941 war er zudem als Dozent und ab 1945 bis zu seinem Tod als Leiter des Institute of Education der Londoner Universität tätig. Im Archiv befinden sich Kopien von Originalen zweier umfangreicher Manuskripte aus der frühen Phase seiner wissenschaftlichen Tätigkeit. Sie wurden von den Herausgebern, Nico Stehr und Volker Meja, im Archiv deponiert. Das im Rahmen eines von der Stiftung Volkswagenwerk geförderten Forschungsprojektes »Karl Mannheim in der Emigration 1933-1947« gesammelte, photokopierte Material wurde geordnet und katalogisiert. Es enthält vor allem Dokumente zu Mannheims Tätigkeit in England, unter anderem Materialien, die aus seiner Mitarbeit im MOOT-Kreis hervorgingen. Ein Index liegt vor. Karl Mannheim


Carl Mayer (18. Juli 1902 - 13. Mai 1974)

Geboren in Pforzheim. Studium der Sozial- und Staatswissenschaften in Heidelberg bei Alfred Weber, Eduard Heimann und Karl Jaspers. 1929 promovierte er über ein Thema aus der Religionssoziologie Max Webers (»Kirche und Sekte«), dessen Werk er sein Leben lang verbunden blieb. Er lehrte anfangs in Frankfurt/M. an der Gewerkschaftshochschule »Akademie der Arbeit«. Nach der Schließung der Akademie 1933 emigrierte er nach New York und wurde an die New School for Social Research berufen. Nach dem Krieg leitete er ein umfangreiches Projekt zur Erforschung des religiösen Lebens in Deutschland. Als Emeritus in die Schweiz übergesiedelt, lehrte er zeitweise in Frankfurt/M. und Konstanz. Sein wissenschaftliches Interesse galt vor allem der Religionssoziologie und der Theorie sozialen Handelns. Carl Mayers gesamter Nachlaß befindet sich im Original im Archiv. Ein Index liegt vor. Verzeichnis Nachlass Carl Mayer.PDF

George Herbert Mead (27. Februar 1863 - 26. April 1931)

Geboren in South Hedley, Massachusetts. Nach den Studien am Oberlin College, Ohio, arbeitete er etliche Jahre lang als Vermessungsingenieur. Ab 1887 setzte er sein Studium der Psychologie und Philosophie in Harvard, Leipzig und Berlin fort. 1891 kehrte er in die USA zurück, wo er zuerst an der University of Michigan und seit 1894 an der University of Chicago lehrte. Fast alle seine Werke wurden nach seinem Tod aus dem Nachlaß ediert. Mit dem Nachlaß Meads ist im Archiv einer der bedeutendsten Beiträge zur Theorie sozialen Handelns in der Soziologie vertreten, dem sie die Grundlegung des sog. »symbolischen Interaktionismus« verdankt. Der gesamte Nachlaß ist auf Mikrofilm im Archiv zugänglich. Die Originale befinden sich in der Regenstein Library der University of Chicago, Department of Special Collections. Die Kopien konnten durch die Mitwirkung von Anselm Strauss und einer Förderung der Fritz-Thyssen-Stiftung erworben werden. Ein Verzeichnis liegt vor.


Franz Pariser (21. Juli 1895 - Mai 1974)

Geboren in Berlin, arbeitete Franz Pariser zuerst in der Textilfabrik seines Vaters, die er nach dessen Tod übernahm. Als Autodidakt begann er kulturanthropologische Forschungen, insbesondere von Bekleidungssitten als Formen menschlicher Selbstgestaltung in ihrer symbolischen und interaktionsbezogenen Funktion. 1932 emigrierte er in die Schweiz, 1939 nach England. Nach dem Kriege führte sein Weg über Italien und die USA zurück in die Schweiz. Sein Leben lang sammelte er Materialien für sein Vorhaben und bereitete dessen Auswertung vor. Die Sammlung umfaßt Belege aus allen schriftlich überlieferten Zivilisationen. Der Nachlaß befindet sich im Original im Archiv. Seine Beschaffung und Ordnung wurde durch die Fritz-Thyssen-Stiftung und durch Forschungsmittel der Universität Konstanz gefördert. Ein Index liegt vor.

Helmuth Plessner (4. September 1892 - 12. Juni 1985)

Geboren in Wiesbaden, studierte Plessner zunächst Zoologie und Philosophie bei Hans Driesch in Heidelberg und ab 1914 bei Husserl in Göttingen. Nach ausgedehnten Kant-Studien promovierte er 1916 mit der Arbeit »Krisis der transzendentalen Wahrheit im Anfang«. 1920 habilitierte er sich in Köln für Philosophie und lehrte dort bis 1933 als Privatdozent. In dieser Zeit erschienen seine klassischen Arbeiten: »Die Einheit der Sinne« (1923), die »Grenzen der Gemeinschaft« (1924), »Die Stufen des Organischen« (1928) sowie »Macht und menschliche Natur« (1931). 1933 emigriert Plessner über die Türkei 1934 in die Niederlande und lehrt bis 1951 an der Universität Groningen. Dort entstand 1935 seine Analyse der politischen Vorgänge in Deutschland: »Das Schicksal des deutschen Geistes im Ausgang seiner bürgerlichen Epoche«. Ein Werk, das in seiner Neuauflage 1959 unter dem Titel »Die verspätete Nation« berühmt wurde. 1941 erschien die Studie über die Extremsituationen menschlichen Verhaltens: »Lachen und Weinen«. 1952 Rückkehr nach Deutschland und Übernahme eines Lehrstuhls für Philosophie an der Universität Göttingen. Nach seiner Emeritierung wohnte er bei Zürich, ließ sich aber in hohem Alter erneut in Göttingen nieder, wo er 1985 starb. Im Archiv befinden sich Kopien ausgewählter Materialien, die im Zusammenhang eines Forschungsprojekts zur intellektuellen Biographie Helmuth Plessners von Walter Sprondel (Tübingen) zusammengetragen wurden. Ein Verzeichnis liegt vor. Helmuth Plessner


Heinrich Popitz (14. Mai 1925 - 1. April 2002)

Geboren in Berlin. Studium der Philosophie, Geschichte und Ökonomie in Heidelberg, Göttingen und Oxford. 1949 Dissertation über »Zeitkritik und Geschichtsphilosophie des jungen Marx« bei Karl Jaspers am philosophischen Seminar in Basel. Danach war er zwischen 1951 und 1955 Mitarbeiter von Helmut Schelsky in einem industriesoziologischen Forschungsprojekt an der Uni Münster, woraus die – mittlerweile klassischen – Studien »Technik und Industriearbeit« und »Das Gesellschaftsbild des Arbeiters« (jeweils publiziert 1957) hervorgehen. 1957 Habilitation an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg und anschließende Privatdozentur. 1959 Ordinarius am Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Basel. 1964 Übernahme des Lehrstuhls für Soziologie an der Universität Freiburg, den er – lediglich unterbrochen durch eine Professur an der New School for Social Research im Jahr 1971/72 – bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1992 innehat. In dieser Zeit entstehen anthropologisch orientierte, klassische Studien z. B. über Technikgeschichte (»Epochen der Technikgeschichte«, 1989), soziale Normen (»Die normative Konstruktion von Gesellschaft«, 1980), den sozialen Rollenbegriff (»Der Begriff der sozialen Rolle als Element der soziologischen Theorie«, 1967) und über Macht (»Prozesse der Machtbildung«, 1968; »Phänomene der Macht«, 1986/1992). Das Archiv ist im Besitz seines vollständigen Nachlasses.

Verzeichnis Nachlass Heinrich Popitz


Karl Raimund Popper (28. Juli 1902 - 17. September 1994)

Geboren und aufgewachsen und Studium in Wien. Nach dem Lehrerdiplom 1927 folgte ein Jahr später die Promotion zum Dr. phil. Während dieser Zeit gab er Privatunterricht und arbeitete bis 1936 in Wien als Lehrer und Sozialarbeiter. Er engagierte sich in Jugendvereinigungen, u.a. bei den Jung-Wandervögeln, und später als Betreuer delinquenter Jugendlicher und als Hort-Erzieher. 1937 emigrierte er nach Neuseeland, wo er an der Canterbury Universität in Christchurch Philosophie lehrte. 1946 Übersiedlung nach England und Tätigkeit an der London School of Economics. Dort 1949-1969 Professor für Logik und wissenschaftliche Methoden. In dieser Zeit verbrachte er viele Jahre als Gastprofessor in Wien und vor allem an verschiedenen Universitäten in den USA. Im Anschluß an die Philosophie des Wiener Kreises und die liberale Denkschule der österreichischen Ökonomie verfaßte Popper schulbildende Werke zur Wissenschaftstheorie sowie vielbeachtete Veröffentlichungen zur Philosophiegeschichte und politischen Philosophie. Im Archiv befindet sich die Manuskriptkopie seiner Dissertation »Zur Methodenfrage der Denkpsychologie«, die er im Sommersemester 1928 in Wien einreichte.


George Psathas (22. Februar 1929 - 15. November 2018)

Geboren 1929 in New Haven im Bundesstaat Connecticut. B.A. 1950 an der Yale University, M.A. 1951 an der University of Michigan, Ph.D. 1956 in Yale. 1963 bis 1968 außerordentlicher Professor an der Washington University in St. Louis, 1968 bis zur Emeritierung 1997 ordentlicher Professor für Soziologie an der Boston University. Im Rahmen seiner akademischen Tätigkeit hat sich George Psathas speziell um die Förderung der phänomenologischen Soziologie und der Ethnomethodologie verdient gemacht. Ein Schwerpunkt seiner theoretischen Interessen gilt den Werken von Alfred Schütz und Harold Garfinkel.
Das Archiv ist seit 2011 im Besitz des Vorlasses von George Psathas. Ein Index liegt vor. Verzeichnis Nachlass George Psathas


Albert Salomon (8. Dezember 1891 - 18. Dezember 1966)

Geboren in Berlin. Studium der Theologie, Philosophie und Soziologie in Berlin (bei Georg Simmel) sowie in Freiburg und Heidelberg. Dort gehörte Salomon zum Freundeskreis von Georg Lukács und Karl Mannheim. Nach der Promotion 1921 bei einer Berliner Bank und im Unternehmen des Vaters tätig. Seit 1926 lehrte er an der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin als Professor für politische Soziologie. Zugleich Mitarbeiter von Rudolf Hilferding als Herausgeber der »Gesellschaft«, dem Diskussionsorgan der SPD. Ab 1930 Professor für Soziologie am Berufspädagogischen Institut Köln. 1933 entlassen, emigrierte er in die USA und lehrte seit 1935 Soziologie und Sozialphilosophie an der New School in New York. Zu den zentralen Themen seines Werkes gehören Untersuchungen zur Soziologie der Intellektuellen, der Revolutionsbewegungen, der Literatur sowie die Formierung des soziologischen Denkens im Frankreich des 18. und 19. Jahrhunderts. Im Archiv befindet sich der überwiegende Teil des wissenschaftlichen Nachlasses im Original. Kleinere Teile, insbesondere der Korrespondenz, werden im Leo Baeck Institute in New York aufbewahrt. Der Erwerb, die Ordnung und Katalogisierung des Nachlasses wurden von der Fritz-Thyssen-Stiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Nachlass Albert Salomon


Joseph A. Schumpeter (8. Februar 1883 - 8. Januar 1950)

Geboren in Trest (Mähren). Studium der Rechte und der Volkswirtschaft in Wien. Nach der juristischen Promotion 1907 u.a. Aufenthalt in Ägypten, wo er in Kairo als Anwalt und Finanzberater einer Prinzessin arbeitete. 1909 Habilitation in Wien. Danach erhielt er Professuren für Nationalökonomie zuerst in Czernowitz, dann 1911-1921 in Graz. 1913 ein Jahr Visiting Professor an der Columbia University, New York. Nachdem er bereits 1916 an den Verhandlungen um einen Separatfrieden für Österreich beteiligt war, führten ihn seine politischen Aktivitäten 1919 ins Amt des österreichischen Finanzministers. 1922-1924 Präsident der Biedermannbank, mit deren Konkurs auch Schumpeter sein Vermögen verlor. 1925-1932 Lehrstuhl für Volkswirtschaft in Bonn. 1932 Emigration in die USA, wo er bis zu seinem Tod als Professor für Ökonomie an der Harvard University lehrte. Seine Arbeiten auf dem Gebiet der Ökonometrie waren von ebenso bahnbrechender Bedeutung wie seine Analysen der Wirtschaftszyklen, worin er ökonomische und soziologische Betrachtungsweisen verknüpfte. Schumpeter ist Autor grundlegender Werke zur Geschichte ökonomischer Theorien. Im Archiv sind ausgewählte Teile seines Nachlasses in Kopie vorhanden. Das Material bezieht sich vornehmlich auf die soziologischen Aspekte seines Werkes. Die Originale des Nachlasses werden im Archiv der Harvard University aufbewahrt. Ein Verzeichnis des Nachlasses liegt vor. Die Beschaffung des Materials erfolgte dank der Förderung durch die Fritz-Thyssen-Stiftung. Joseph A. Schumpeter


Alfred Schütz (13. April 1899 - 20. Mai 1959)

Geboren in Wien. Studierte dort Jura und Staatswissenschaft, u.a. bei Hans Kelsen, Ludwig von Mises, Max Adler und später Felix Kaufmann. 1920 besuchte er gleichzeitig auch die Wiener Akademie für Internationalen Handel. Nach der Promotion arbeitete er ab 1921 als Finanzjurist für mehrere Wiener Bankhäuser und nahm weiterhin intensiv am Wiener Geistesleben teil. 1938 Emigration über Paris in die USA, wo er seit 1939 in New York seine Tätigkeit im Bankgewerbe fortsetzte und sich, wie schon zuvor in Wien, während seiner Freizeit seinen wissenschaftlichen Studien widmete. Ab 1943 lehrte er dort zusätzlich zunächst als »Lecturer« an der New School for Social Research, 1946 dann als Gastprofessor für Soziologie. Seit 1952 Professur für Soziologie, später auch für Philosophie. 1956 gab er sein »Doppelleben« auf und konzentrierte sich auf die Lehr- und Forschungstätigkeit, die durch die wenig später ausbrechende Krankheit stark beeinträchtigt wurde. Schütz' wissenschaftliches Interesse galt der Fundierung und Weiterführung einer von der verstehenden Soziologie Max Webers ausgehenden Sozialwissenschaft, um die er sich zunächst unter dem Einfluß Henri Bergsons, später in immer stärkerer Anlehnung an Husserl bemühte. Durch sein Werk wurden die Grundlagen für einen der gegenwärtig wirksamsten handlungstheoretischen Ansätze in der Soziologie gelegt: die sog. »phänomenologische Soziologie«. Schütz' gesamter wissenschaftlicher Nachlaß ist auf Mikrofilm, in Kopien und teilweise im Original im Archiv verfügbar. Darüber hinaus hat das Archiv die ca. 3000 Bände umfassende Arbeitsbibliothek von Schütz und seine Zeitschriftensammlung erworben. Die Originale des Nachlasses befinden sich in der Beinecke Rare Book and Manuscript Library an der Yale University, New Haven, Connecticut. Die Ordnung und das Kopieren des Nachlasses wurde von der Fritz-Thyssen-Stiftung gefördert. Die Mittel für den Erwerb der Zeitschriftensammlung wurden von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität Konstanz zur Verfügung gestellt, die Mittel zum Erwerb der Bibliothek von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. In einer besonderen Abteilung werden alle Anweisungen, Manuskripte und Notizen aufbewahrt, die Alfred Schütz als Entwurf für die Fertigstellung seines abschließend geplanten Hauptwerks über die »Strukturen der Lebenswelt« hinterließ und die Thomas Luckmann als Grundlage für die Ausarbeitung des Textes dienten. Sie sind so angeordnet, daß der Aufbau der daraus entstandenen zwei Bände der »Strukturen der Lebenswelt« auf der Grundlage des Schütz'schen Materials dokumentiert wird.

Suchkatalog der Alfred-Schütz-Handbibliothek (UB-Konstanz)

Gesamtverzeichnis Alfred-Schütz-Handbibliothek (PDF)


Ilse Schütz (10. Februar 1902 - 7. Juni 1990)

Geboren in Wien. Hier auch Studium der Kunstgeschichte und Geschichte. 1926 heiratete sie Alfred Schütz. Nach seinem Tode betreute sie die zahlreichen Übersetzungen seines Werkes und sorgte für deren Edition. Die weltweite Rezeption des Schütz'schen Denkens ist somit mit ihrem Namen untrennbar verbunden. Ihr Nachlaß enthält Korrespondenzen mit Personen, die der New School bzw. dem breiteren sozialen und wissenschaftlichen Netzwerk der Familie Schütz aus dem Umkreis der Emigration angehörten, sowie Briefwechsel mit mehreren Generationen des »Phenomenological Movements« in der Philosophie und in der Soziologie seit den 1960er Jahren. Enthalten sind auch zugesandte Manuskripte, Verlagskorrespondenzen sowie Materialien zur Rezeption des Schütz'schen Werkes. Der Nachlaß liegt im Original bzw. in Kopien vor. Ein Verzeichnis ist vorhanden.

Alfred Vierkandt (4. Juni 1867 - 24. April 1953)

Geboren in Hamburg. Studium der Physik, Mathematik, Erdkunde und Philosophie in Leipzig; dort auch 1892 Promotion. 1894 Habilitation für Erdkunde, 1900 Umhabilitierung für Völkerkunde in Berlin. 1910 Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Seit 1913 als Professor in Berlin tätig, wo er auch ab 1921 die Professur für Soziologie erhielt. 1931 erscheint unter seiner Leitung das erste deutschsprachige »Handwörterbuch der Soziologie«. 1934 durch die Nationalsozialisten in den Ruhestand versetzt, nahm er 1946 die Lehrtätigkeit an der Humboldt-Universität Berlin wieder auf. Vierkandts ethnologisches Wissen führte ihn dazu, in der Soziologie seine Forschungsschwerpunkte auf die Bereiche Kultursoziologie und Handlungstheorie zu legen. Diese Tendenz wird seit Mitte der 20er Jahre durch die Anlehnung an die Phänomenologie Husserls noch verstärkt. Im Archiv befinden sich etliche annotierte Bände seiner Werke aus seiner Handbibliothek, die Korrekturfahnen seines Aufsatzes über »Die entwicklungspsychologische Theorie der Zauberei« von 1937 mit handschriftlichen Korrekturen sowie das unpublizierte Manuskript »Triebleben und Kultur« (Typoskript mit handschriftlichen Ergänzungen).


Helmut R. Wagner (5. August 1904 - 22. April 1989)

Geboren in Dresden. Nach der Ausbildung an einer technischen Schule war er von 1925 bis 1932 als Lehrer in der Erwachsenenbildung tätig. 1934 mußte er Deutschland verlassen, nachdem ihm wegen seiner Kritk an der Nazi-Herrschaft die Staatsbürgerschaft aberkannt wurde. Im Schweizer Exil Beschäftigung mit sozialwissenschaftlichen Studien und als Techniker bei der Schweizer Armee tätig. Nach der Emigration in die USA 1941 arbeitete er zunächst als Werkzeugmacher, um 1951 an der New School for Social Research das Studium der Soziologie aufzunehmen. Neben Alfred Schütz prägte ihn besonders Carl Mayer, an dessen Projekt »Religion in Germany Today« er auch beteiligt war. Nach der Promotion 1955 Lehrtätigkeit zuerst kurz an der New School, dann von 1956 bis 1964 als Professor der Soziologie an der Bucknell University, Pennsylvania. Bis 1985 leitete er das Department für Anthropologie und Soziologie der Hobart & William Smith Colleges, New York, danach Gastprofessor an der Boston University. Ausgehend von der Weber'schen verstehenden Soziologie und unter dem späteren Einfluß von Alfred Schütz war er einer der führenden Vertreter der »phänomenologischen Soziologie« in Amerika. Nicht zuletzt als Biograph und Editor bemühte er sich zum Verständnis, zur kritischen Evaluation und zur Weiterentwicklung des Schütz'schen Werkes beizutragen. Das Archiv verfügt über eine Kopie der ursprünglichen, unpubliziert gebliebenen Fassung seiner Biographie von Alfred Schütz, die ca. 2500 Typoskriptseiten umfaßt. Darüber hinaus liegen große Teile seines wissenschaftlichen Nachlasses auf Mikrofilm vor.

Max Weber (21. April 1864 - 14. Juni 1920)

Geboren in Erfurt. Studium in Heidelberg, Straßburg, Göttingen und Berlin. 1889 Promotion in Berlin zu einem rechtshistorischen Thema. Nach der Habilitation über »Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht« (1891) war Weber als Privatdozent in Berlin und seit 1894 als Professor für Nationalökonomie in Freiburg i.Br. tätig. 1896 erhielt er den Heidelberger Lehrstuhl für Nationalökonomie in der Nachfolge von Karl Knies. In diesen Jahren aktive Teilnahme am öffentlichen und politischen Leben, u.a. als führendes Mitglied im »Verein für Socialpolitik« und mit Beiträgen zu den Diskussionen der christlich-sozialen Bewegung. 1903 muß er sich aus gesundheitlichen Gründen von seinen Lehrverpflichtungen entbinden lassen. 1904 Übernahme der Redaktion des »Archivs für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik«. 1909 gehört er zu den Mitbegründern der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. 1918 Professur für Nationalökonomie an der Universität Wien. 1919 Ruf und Übersiedlung nach München, wo er nach kurzer Krankheit 1920 stirbt. Im Archiv befinden sich Kopien von Teilen der weit verstreuten wissenschaftlichen Korrespondenz Webers. Ein Verzeichnis der Briefe liegt vor. Die Beschaffung der Kopien wurde zum Teil von der Fritz-Thyssen-Stiftung gefördert. Sammlung Briefe Max Weber


Kurt Heinrich Wolff (20. Mai 1912 - 14. September 2003)

Geboren und aufgewachsen in Darmstadt, studierte er 1930 bis 1933 vornehmlich bei Karl Mannheim an der Universität Frankfurt/M. u.a. Soziologie, Philosophie und Geschichte. Im Oktober 1933 Emigration zunächst nach Italien, wo er neben einer Tätigkeit als Privatlehrer von 1934 bis 1935 an der Universität Florenz seine Studien fortsetzte und mit einer Arbeit zur Wissenssoziologie 1935 promovierte. Nach weiteren Jahren der privaten und institutionellen Lehrtätigkeit emigrierte Wolff im März 1939 ein zweites Mal: über London und New York nach Texas. Nach mehreren wissenschaftlichen Stationen an der Southern Methodist University (Dallas) als »Research Assistant« im Department of Sociology von 1939-1943, an der University of Chicago (im Rahmen eines Social Science Research Council Fellowship), am Earlham College (Richmond, Ind.) und an der Ohio State University von 1945-1959 wurde er 1959 Mitglied des Department of Sociology der Brandeis University (Waltham, Mass.). Dort lehrte Kurt Wolff bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1982. Mehrere Gastaufenthalte (u.a. am Institut für Sozialforschung in Frankfurt/M. 1952 und 1953) und Gastprofessuren (1966 an der Universität Freiburg und 1966/67 an der Universität Frankfurt/M.) führten ihn nach dem Krieg nach Deutschland zurück. Die Universität Konstanz besuchte Wolff zuletzt im Rahmen einer vom Sozialwissenschaftlichen Archiv organisierten Tagung zur Emigrationsforschung im Jahr 1984. Die Arbeits- und Forschungsschwerpunkte von Kurt Wolff lagen im Bereich der soziologischen Theorie, der Wissenssoziologie und der Sozialphilosophie. Im Archiv befinden sich die gesamten wissenschaftlichen Materialien Wolffs sowie große Teile der Korrespondenz im Original. Die Beschaffung und Ordnung der Materialien wurde von der DFG und der Universität Konstanz unterstützt. Verzeichnisliste Nachlass Kurt Heinrich Wolff.PDF