Zusammenfassung

Der Logische Empirismus des Wiener Kreises und Carnaps grundlegendes Werk Der logische Aufbau der Welt sind historisch und kulturell gesehen nicht in einem Vakuum entstanden. Dies gilt sowohl für den engeren philosophiegeschichtlichen Kontext als auch für allgemeinhistorische und kulturelle Einflüsse, wie etwa das sozio-kulturelle Umfeld in Wien und Prag, den Zusammenhang zwischen dem Logischen Empirismus und dem Bauhausmodernismus oder den Bezug zur Lebensreformbewegung und zur lebensphilosophisch geprägten Jugendbewegung.

Das Vorhaben, die Entwicklung Carnaps auf der historischen Mikroebene zu untersuchen und die Ergebnisse zurückzubeziehen auf die Carnapsche Philosophie, profitiert vom neuerdings möglichen Zugang zu Carnaps Tagebüchern aus dem Zeitraum 1908–1935. Diese in Kurzschrift vorliegenden Dokumente sowie Lektürelisten, Reiseprotokolle und Gesprächsnotizen sind eine reiche Quelle für die Erforschung der Netzwerke und Bewegungen, die Carnap prägten. Mit Unterstützung aus Konstanz werden die Tagebücher zur Zeit am Institut Wiener Kreis für die Publikation vorbereitet (im Rahmen des FWF Projekts P27733, geleitet von Christian Damböck).

Ziel dieser Tagung ist es, zeithistorische, kulturwissenschaftliche und philosophiegeschichtliche Perspektiven auf die Philosophie Carnaps zusammenzuführen, um die Auswertung des Tagebuchmaterials voranzubringen, die aufgefundenen Zusammenhänge nachzuzeichnen und systematisch zu bestimmen.

Veranstalter ist das Philosophische Archiv der Universität Konstanz, in Verbindung mit dem Institut Wiener Kreis und der Universität Wien (FWF Einzelprojekt P27733). Mit freundlicher Unterstützung der Fritz Thyssen Stiftung, der Universitätsgesellschaft Konstanz (UVG) sowie des österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF).